
Hin und wieder mache ich einen Ausflug zu meiner Familie nach Österreich. Ich wohne dann für einige Tage an dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin.
Die Welt, in der ich aufwuchs, lag buchstäblich (eingeschlossen) hinter einem Tor. Auch wenn das Tor öfter offen als geschlossen war, stellte es dennoch eine Trennung zwischen der Welt innerhalb und außerhalb des Tores dar.
Eine Trennung zwischen der Welt unserer Familie und der Gesellschaft. Etwas, dessen ich mir zu jener Zeit sicher nicht bewusst war, da dieses Tor für mich faktisch nie geschlossen war und ich nach Belieben ein- und ausgehen konnte.
Wenn ich heute durch dieses Tor gehe, kehre ich auch zu meinem Ursprung zurück. Zurück zu dem, was mich geprägt hat: meine Kindheit, meine Jugend und die Menschen, die dazugehören.
Auch wenn nicht jeder ein so großes physisches Tor hat, durch das er regelmäßig gegangen ist, besitzt doch jeder sein eigenes (symbolisches) Tor, das ihn mit einem Lebensabschnitt verbindet.
Mit dem Durchschreiten dieses Tores begibt man sich auf eine Zeitreise. Zurück zu dem, was einmal war, und manchmal auch buchstäblich zurück zu den damaligen Umständen.
Die Erinnerung an die Vergangenheit löst im Menschen viel aus. Erinnerungen sind, genau wie das Leben, eine Palette an Emotionen und auch Meilensteine. Emotionen, die widerspiegeln, was Worte nicht beschreiben können, und Meilensteine, an denen Veränderungen gemessen werden können.
Erinnerungen sind zudem dynamisch. Je nach Blickwinkel (der aktuellen Situation und Weisheit), aus dem man sie betrachtet, kann ein anderes Bild entstehen. Durch die Transformation von Erinnerungen ist es möglich, die Lehren des Lebens mitzunehmen, ohne diese immer wieder neu durchleben zu müssen.
Wie blicken Sie durch das Tor in die Vergangenheit?

