
Die Welt steht kopf … alles um einen herum steht still … und ist doch schneller in Bewegung, als man in diesem Moment mithalten kann … So erlebe ich die Tage seit der ersten Pressekonferenz im Fernsehen. So sehe ich auch, wie mein Umfeld darauf reagiert.
Hatte ich in den ersten zwei Tagen noch das Gefühl eines Neujahrstages ohne „Oliebollen“, aber mit der allgemeinen Müdigkeit, weil man in der Nacht zuvor zu lange durchgehalten hat, so hat sich dies nun in eine Erinnerung an eine einschneidende Phase in meinem Leben gewandelt.
Die Erinnerung an den Moment, als mein ältester Sohn plötzlich nicht mehr da war. Unerwartet ertrunken. Eine Zeit, in der man von allem gelebt wird, was man meint regeln zu müssen, weil es sich so gehört oder um später weitermachen zu können. Auf Autopilot tut man das, was im eigenen Überlebensprogramm geschrieben steht. Der Interessenkreis ist stark eingeschränkt und man merkt kaum, wie die Welt um einen herum ihren gewohnten Gang geht.
Jahre später, als ich wieder Mutter werden durfte, geriet ich in ein ähnliches Programm, nur mit dem Unterschied, dass es nicht unerwartet war und einen positiven Anlass hatte. Aber auch damals geriet ich auf Autopilot in meine eigene kleine Welt.
Die Welt steht kopf … alles um einen herum steht still … und ist doch schneller in Bewegung, als man in diesem Moment
mithalten kann …
Rennen oder Erstarren?
Jeder, der schon einmal eine einschneidende Situation aus nächster Nähe miterlebt hat, wird diese Situation wiedererkennen. Und jetzt … jetzt befinden wir uns kollektiv in dieser Situation. Jeder um uns herum wird damit konfrontiert, dass alles, was gestern noch so selbstverständlich war, nun (vorerst) nicht mehr möglich ist. Wir sind entwurzelt und suchen nach einem Weg des (Über-)Lebens.
Rennen oder Erstarren ist das Motto, abhängig von der (unterbewussten) Programmierung. Jeder tut es, ob wir wollen oder nicht. Kollektiv sind wir auf der Suche nach unserer Existenz in dieser veränderten Situation.
Die Zeit der Entwurzelung ist eine Zeit, in der die eigenen Werte geprüft werden. Die Perspektive von Zeit und Raum verändert sich. Kairos, die innere Zeit, hat die Macht von Chronos, der linearen Zeit, übernommen, könnte man sagen. Dies beeinflusst die eigenen Prioritäten und Entscheidungen.
Kairos-Zeit wird auch als die Zeit des Flows bezeichnet. Wenn man im Flow ist, ist weniger Anstrengung nötig, um ein
Ergebnis zu erzielen, der innere Kritiker ruht, man vergisst die Zeit und hat zudem mehr Zugang zur (eigenen) Weisheit.
Aus meiner eigenen Erfahrung und auch aus den Erfahrungen von Gleichgesinnten weiß ich, dass dies keine vorübergehende Erscheinung sein wird. Die Welt nach einer Krise, ungeachtet ihrer Ursache, wird nie wieder die Welt vor der Krise sein. Normen und Werte verschieben sich, und Menschen, mit denen man auf einer tieferen Ebene verbunden ist, werden immer bleiben.
Ausgehend von diesen Gedanken blicke ich mit großem Vertrauen auf die Welt NACH Corona – eine Ära, in der Distanz und Nähe für die Menschen eine neue Bedeutung bekommen werden.
Quellen:
https://www.stevenkotler.com/rabbithole/ea-ullam-copy
Wer dies schon einmal erlebt hat, wird darauf vertrauen, dass auch diese Situation vorübergehend ist und dass die Welt, wenn sich alles wieder „normalisiert“ hat, anders aussehen wird. Nicht, weil sich so viel an ihr verändert hat, sondern weil man sich selbst verändert hat und die Welt mit anderen Augen betrachtet.
In den letzten Jahren waren immer mehr Menschen auf der Suche nach diesem Flow, weil wir des Müssens und der Angst, nicht zu genügen, müde geworden sind. Zu sehr waren wir gemeinsam unter Druck damit beschäftigt, etwas zu erreichen. Beschäftigt zu sein ist anstrengend, Müdigkeit
fordert früher oder später ihren Tribut, genau wie Angst. Eine Angst, die letztlich auf eine der universellen Ängste zurückzuführen ist: die Angst, nicht geliebt zu werden.
Und jetzt … plötzlich werden wir immer mehr dazu eingeladen, uns selbst zu zeigen. Infolge der Veränderung von Zeit und Perspektive nehmen sich die Menschen wieder die Zeit, bewusst Kontakt zu anderen zu suchen.
Genießen Sie das Leben, man weiß nie, was morgen passiert

